Startseite Startseite  
         Gemeinde Johanneskirche P.S.
| Treffpunkte |
| Veranstaltungen |
| Kontakt |
| Kindergarten |
| Kirche des Jahres '06|
| Johannesviertel |
| Geschichte |
| Baugeschehen |
| Bauwerk |
| Links |
| Download |
| Galerie |
Andacht

Das Grab ist leer
 

Die Hoffnungen sind enttäuscht. Die Träume haben sich nicht erfüllt. Die Visionen sind an den Realitäten zerbrochen. Jesus ist tot, gestorben am Kreuz.
Vielleicht haben sich die Frauen mit diesen Gedanken am Ostermorgen auf den Weg zum Grab gemacht. Wenigstens den letzten Dienst der Totensalbung wollen sie tun. Wenn er schon gestorben ist wie ein Verbrecher, dann soll er doch eine ordentliche Totenruhe finden.
Finster ist der Morgen, finster ist es in den Herzen.
Doch der Besuch der Frauen am Grab verläuft ganz anders als die vielen Besuche an Gräbern davor oder danach bis in unsere Tage. Nichts ist dort, wie es erwartet wird. Keine Friedhofsruhe oder Totenstille.
Wenn etwas anders verläuft, als erwartet, dann kann man sich freuen. Man kann verwundert sein. Man kann Angst bekommen. Wenn ein Grab zum Ort des Lebens wird, wenn die Erwartung eines Toten vom Leben durchkreuzt wird, erwarten wir zunächst Freude.
Aber wie wäre das, wenn wir auf den Friedhof gehen und das Grab, das wir besuchen wollen, steht offen?
Die Frauen sind entsetzt. Wo ist Jesus? Hat man nun auch noch seinen Leichnam gestohlen? Kommen wir denn gar nicht mehr zur Ruhe? Sollen wir keinen Frieden mehr finden?
Zum leeren Grab tritt eine Deutung, die nichts mit unseren nahe liegenden Erklärungen eines leeren Grabes zu tun hat. Sie klingt phantastisch. Manchen ist sie nicht glaubwürdig.

Gleichzeitig schafft sie neue Hoffnung. Ein weißgekleideter junger Mann sagt: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.
Gut, dass die Frauen nicht aus Ostdeutschland kamen. Nur 13% der Ostdeutschen glauben an die Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod. Die Vernunft und die Erfahrung scheinen gegen die Möglichkeit zu stehen, dass so etwas wie die Auferstehung möglich ist.
Was mir nicht einleuchtet, ist, dass das Geschenk des Lebens etwas einmaliges sein soll. Eigentlich natürlich auch kein Geschenk, sondern ein (Zufalls)produkt biologischer oder biochemischer Prozesse. Das kann ich mir nicht vorstellen, trotz aller Friedhöfe mit geschlossenen Gräbern.
Es gibt dieses eine leere Grab. Die schon seit biblischer Zeit im Raum stehende Vermutung, der Leichnam sei gestohlen worden, wird durch die Deutung, die Botschaft durchkreuzt: Der Herr ist auferstanden!
Das kann ich glauben. Mehr noch: Es leuchtet mir ein. Es ist mir einsichtig. Das irdische Leben ist wohl ein einmaliges Geschenk. Aber das es die einzige Form möglichen Lebens ist, halte ich eher für unwahrscheinlich. Seit dem Ostermorgen und der Tatsache des leeren Grabes ist neues Leben bei Gott eine Realität. Alles andere macht keinen Sinn.

Ihr Pfarrer Karsten Müller

| Startseite | | Gemeinde | | Johanneskirche | | P.S. | nach oben
Impressum & letzte Änderung am 01.04.2013 durch webmaster