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Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der
Schwächen oft als Makel und Grund für Schamgefühle gesehen werden.
Ganz anders und unserem Zeitgeist entgegen spricht unsere Jahreslosung.
Dass Gottes Kraft sich in den Schwachen und Armen, den Gebeugten und
Entrechteten zeigt und dort zum Ziel findet, können wir in allen Teilen
der Bibel lesen. Jesus ist auf die Schwachen, Ausgestoßenen und von der
Gesellschaft Verurteilten zugegangen. Die anderen haben sich darüber
empört. Aber ihm war es ein Herzensanliegen.
Gottes Kraft kann da wirken, wo Ohnmacht ausgesprochen und akzeptiert
wird, wo das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“
(Schleiermacher) vorherrscht. Statt der Verdrängung muss es zur
Integration von Ohnmacht und Schwäche kommen. Wer sich der Ohnmacht
aussetzt, Mut zur Ohnmacht entwickelt, in Demut seine Ohnmacht annimmt,
kann Gott in sich wirken lassen, wird offen für Gottes Willen. Denn
Ohnmacht, die vor Gott gebracht wird, provoziert keine Stärke, sondern
Erbarmen und Liebe.
Schwachheit ist für Paulus kein erstrebenswerter Zustand, aber eine
sehr menschliche Erfahrung, der niemand ausweichen kann. Die Botschaft
ist: Die Schwächen sind so wertvoll wie die Stärken. Darum ist es gut,
sie zu kennen und mitunter auch, sie zu benennen. Dann sind sie nicht
länger Defizite, sondern Potentiale, die uns vor Allmachtsphantasien
und Arroganzgehabe schützen, die die Grundlage für Fähigkeiten wie
Toleranz und Respekt bilden und die Möglichkeiten für
Persönlichkeitsentwicklung bilden. Vielleicht kann unsere Jahreslosung
dann sogar als Glücksformel verstanden werden.
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Dazu einige Zitate:
Von Christus ist zu lernen: Je glücklicher einer ist, umso leichter
kann er loslassen. (Dorothee Sölle)
Schwächen sind seit eh und je Wurzeln des Fortschritts. Vermutlich
konnte Noah nicht schwimmen. (Karl Heinz Karius)
Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen
Reichtümern hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen. (Epikur)
Ja zu Gott: Ja zum Schicksal und ja zu dir selbst. Wenn das
Wirklichkeit wird, dann mag die Seele verwundet werden, aber sie hat
die Kraft zu genesen. (Dag Hammarskjöld)
Du bist zu schnell gelaufen für dein Glück. Nun, da du müde wirst und
langsam gehst, holt es dich ein. (Friedrich Nietzsche)
Wir danken unserer Gemeindepädagogin Sabine Franz für das geistliche
Wort und wünschen Ihnen und unserer Gemeinde ein segensreiches Jahr
2012.
Ihr Gemeindekirchenrat
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