 [Fenster - aktuelle Situation]
 [Entwurf Grohs] |
In diesem Bauabschnitt ist wieder Besonderes geplant:
Neben der Restaurierung der expressionistischen Gefallenengedenkfenster
werden die großen Kirchenschiff-Fenster neu gestaltet.
[Pressemitteilung]
Eine restauratorische Zustandsdokumentation – die landesweit Beispiel gebend ist
Die Johanneskirche in Halle bekommt neue Fenster für ihr Kirchenschiff
Da die großen Kirchenschiff-Fenster sehr zerstört sind, das noch vorhandene Rautenglas stark patiniert ist und eine Reparatur ein Flickmuster zwischen Neu- und Altscheiben entstehen lassen würde, bot sich die Chance, die Historie in den Fenstern zu thematisieren, um am Beispiel der Johanneskirche ein Zeugnis der Kirchenzerstörung in der späten DDR-Zeit zu geben und die politische Wendezeit wach zu halten.
Es gibt in Halle kein kirchenbauliches Zeugnis der Friedlichen Revolution, deren Veranstaltungen zwar zentralisiert im Marktraum stattfanden, aber von allen Kirchen mitgetragen wurden.
Zum Thema angefragt wurden drei Künstler; Herr Günter Grohs aus Wernigerode im Harz stellte sich dieser Aufgabe. Günter Grohs zählt zu den Glaskünstlern, die sehr anspruchsvolle Themen, z.B. in der Gestaltung von Kirchenfenstern in Gotteshäusern, darstellen können, ein Terrain, auf dem sich in jüngerer Zeit nicht allzu viele erfolgreich bewegten. Seine Stärken liegen sicher nicht in einer liebevollen Vordergründigkeit und unreflektierten Gefälligkeit. (Zitat aus „Gestaltete Glasflächen im liturgischen Raum“ von Dr. Dietmar Thönnes, Liturgie- wissenschaftler.) Sein Entwurf von 1994 für die stark zerstörten Chorfenster der Basilika St. Matthias in Trier ist mit Sicherheit eines seiner bedeutendsten Werke. Die Ausführung 1994/95 oblag den Glaskunstwerkstätten Kaschenbach, Trier.
Mit den Johannes-Kirchenschifffenstern hat sich Grohs erneut einer sehr schwierigen Aufgabe gestellt. Nach seinen Aussagen hatte er noch nie einen so kleinen Handlungsspielraum Neues zwischen Altem zu schaffen.
Der Entwurf sollte eine positive Aussage haben, er sollte klar, harmonisch und zurückhaltend sein, den geistlich aussagewichtigen Chorfenstern beim Kirchenbesucher den Vorrang lassen. Neben den Altrauten und den originalen Okuli sind nicht nur die bereits restaurierten Chorfenster und die noch nicht wieder hergestellten expressionistischen Gefallenen-Gedenkfenster, sondern auch die räumliche Atmosphäre zu beachten, die derzeit noch durch den Verschluss der unteren Kirchenschifffenster stark gestört ist.
Der Entwurf wurde am 02.12.2009 um 18 Uhr im Paul-Gerhardt-Saal von Herrn Grohs vor der Gemeinde und Vertretern des Denkmalschutzes, Frau Dr. Meinel, der Stadt Halle, Herr Dr. Pohlack, des Kirchenkreises, Herr Ebert, und des Planungsbüros Acerplan, Herr Moczko, vorgestellt. Die schlichte Art und zugleich lebendige Ausstrahlung der Fenstergestaltung fand ungeteilten Zuspruch und war so überzeugend, dass der Gemeindekirchenrat in seiner anschließenden Sitzung die Verwirklichung des Entwurfes beschlossen hat.
Eine besondere Freude war, dass am gleichen Abend die Johannesgemeinde von Herrn Bürgermeister Dr. Pohlack den schon lange im Vorfeld zugesprochenen Fördermittelvertrag von der Stadt Halle erhielt, wodurch das Vorhaben 2010 auch umgesetzt werden kann.
An diesem Projekt beteiligen sich außerdem die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, die Evangelische Kirche Mitteldeutschland, der Evangelische Kirchenkreis Halle und die Johannesgemeinde.
Erna Lämmel, Martin Gottschalk
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